Testmethode

Wie wir testen

Auf dieser Seite legen wir vollständig offen, wie unsere Produkttests ablaufen, nach welchen Regeln wir bewerten und wie wir uns finanzieren. Transparenz ist für uns keine Marketing-Floskel, sondern die Grundlage jedes einzelnen Siegels, das wir vergeben. Dieser Kriterienkatalog ist die verbindliche Testmethodik von Das Testsiegel und wird bei jeder Änderung versioniert und öffentlich dokumentiert.

Stand: 10.04.2026 · Version 2.0 · Rechtsgrundlage: BGH I ZR 158/14, §5 UWG

Notensystem: fünfstufig und nachvollziehbar

Wir vergeben Noten zwischen 1,0 und 5,0. Die Gesamtnote ist der gewichtete Durchschnitt aus allen Einzelnoten, gerundet auf eine Nachkommastelle.

NoteLabelBedeutung
1,0 – 1,5SEHR GUTÜberzeugt in allen Kategorien, keine nennenswerten Schwächen
1,6 – 2,5GUTÜberzeugt in den meisten Kategorien, wenige kleine Schwächen
2,6 – 3,5BEFRIEDIGENDSolide Qualität mit sichtbaren Schwächen in einzelnen Bereichen
3,6 – 4,5AUSREICHENDFunktioniert, aber mit erheblichen Einschränkungen
4,6 – 5,0MANGELHAFTWesentliche Mängel, nicht empfehlenswert

Sperrklinken-Regel: Kein Einzelkriterium darf schlechter als 4,5 bewertet sein, ohne dass die Gesamtnote automatisch auf „Ausreichend“ oder schlechter fällt. So kann ein einzelner schwerwiegender Mangel nicht durch gute Werte in anderen Bereichen ausgeglichen werden.

Universelle Bewertungskriterien (70 % der Gesamtnote)

Diese vier Kriterien werden bei jedem Produkt bewertet, unabhängig von der Kategorie. Sie machen zusammen 70 % der Gesamtnote aus.

Verarbeitungsqualität – 20 %

  • Spaltmaße und Passungen
  • Naht-, Schweiß- und Klebestellen
  • Gratbildung an Kanten
  • Stabilität unter Normalbelastung
  • Langzeittest über mindestens 7 Tage

Materialqualität – 20 %

  • Haptik und Oberfläche
  • Angegebene vs. tatsächliche Materialien (Magnet- und Gewichts-Test)
  • Geruchsemission beim Auspacken (VOC-Indikator)
  • Gebrauchsspuren nach 7 Tagen Praxistest

Sicherheit – 15 %

  • CE-Zeichen und Gültigkeit, soweit anwendbar
  • Elektrische Sicherheit (Steckerprüfung, Leitungsquerschnitt, sichtbare Normen wie EN 60335)
  • Kleinteile-Test bei kinderrelevanten Produkten (nach DIN EN 71-1)
  • Kippsicherheit, Kantenschutz, Quetschpunkte
  • Verständliche Sicherheitshinweise vorhanden

Preis-Leistung – 15 %

  • Marktvergleich mit mindestens drei Alternativen in ähnlicher Preisklasse
  • Laufende Kosten (Verbrauchsmaterial, Energie, Zubehör)
  • Garantie und Ersatzteilversorgung
  • Wertverlust nach Praxistest

Kategoriespezifische Kriterien (30 % der Gesamtnote)

Jede Kategorie hat ein Hauptkriterium, das das Produkt besonders herausfordert. Diese 30 % sorgen dafür, dass ein Reisekoffer anders bewertet wird als eine Bohrmaschine.

Haushalt & Küche – Funktionalität im Alltagsgebrauch

  • Reinigungsfähigkeit (spülmaschinengeeignet?)
  • Hitze- und Kältebeständigkeit wo relevant
  • Tatsächliche Kapazität vs. Angabe
  • Ergonomie der Bedienung

Baumarkt & Werkzeug – Präzision und Haltbarkeit

  • Messgenauigkeit (Meterstab, Wasserwaage, Winkel)
  • Kraftübertragung bei Werkzeug
  • Rostanfälligkeit (24-Stunden-Feuchtigkeitstest)
  • Griffigkeit unter Belastung

Garten & Outdoor – Wetterbeständigkeit

  • UV-Beständigkeit (wo anwendbar, Herstellerangabe prüfen)
  • Rostschutz bei Metallteilen
  • Farbechtheit
  • Praxistest über 7 Tage im Außenbereich

Sport & Freizeit – Zweckeignung und Komfort

  • Passform (bei Textilien und Ausrüstung)
  • Schweißtransport und Atmungsaktivität
  • Traglast und Belastbarkeit
  • Komfort nach 30 Minuten Nutzung

Auto & Zubehör – Funktion unter Realbedingungen

  • Passgenauigkeit bei angegebenen Fahrzeugmodellen
  • Hitze- und Kältetest (−5 °C bis +60 °C simuliert)
  • Vibrations- und Rüttelsicherheit
  • Normkonformität (z. B. StVZO bei verbautem Zubehör)

Haustier – Sicherheit und Tiergerechtigkeit

  • Schadstofffreiheit der Materialien (Herstellerangaben geprüft)
  • Keine verschluckbaren Kleinteile bei Spielzeug
  • Belastbarkeit bei Leinen und Geschirren
  • Geruchs- und Geschmacksneutralität (bei Näpfen und Spielzeug)

Reise & Gepäck – Belastungstest und Maße

  • Reale vs. angegebene Abmessungen (IATA-Kofferlehre)
  • Rollentest (100 m Hartboden, 100 m unebener Grund)
  • Zipper- und Schloss-Funktion nach 100 Öffnungen
  • Gewichtskapazität bis 120 % der Herstellerangabe

Drogerie & Körperpflege – INCI-Transparenz und Gebrauchstauglichkeit

Wichtig: KEIN medizinischer Test, keine klinischen Aussagen. Wir prüfen Deklaration und subjektive Gebrauchstauglichkeit.

  • INCI vollständig lesbar und online auffindbar
  • Keine intransparenten Fantasienamen bei Inhaltsstoffen
  • Verpackung und Dosierung
  • Geruch und subjektive Anwendung über 7 Tage

Elektronik klein – Funktion, Akku, Ladekompatibilität

  • Akkulaufzeit gemessen vs. angegeben (Toleranz ±15 %)
  • Ladezyklen, soweit im 7-Tage-Zeitraum möglich
  • USB-C-Konformität (tatsächliche Datenrate und Leistung)
  • Funktionstest aller beworbenen Features

Büro & Schreibwaren – Haltbarkeit und Schreibeigenschaften

  • Schreibtest auf 5 Papiersorten
  • Durchdruck, Durchbluten, Wisch- und Wasserfestigkeit
  • Gehäusestabilität bei Stiften (Fall-Test aus 1 m)
  • Kompatibilität Ersatzteile (Minen, Refills)

Kinder & Baby – Sicherheitsnormen strikt geprüft

Die härteste Kategorie: Jedes fehlende Sicherheitszertifikat führt zum automatischen „Mangelhaft“.

  • CE-Zeichen plus DIN EN 71 (Spielzeug) oder DIN EN 14988 (Kindersitze) usw.
  • Kleinteile-Test mit genormter Prüflehre
  • Verschluckbare Teile, scharfe Kanten, Quetschstellen
  • Chemische Unbedenklichkeit laut Herstellerangaben (Prüfbericht anfragen)

Wohnen & Dekoration – Stabilität, Ästhetik und Materialwert

  • Standfestigkeit und Kippsicherheit
  • Farbechtheit (UV und Reinigung)
  • Materialechtheit (vs. „Holzoptik“, „Lederlook“ usw.)
  • Aufbau-Anleitung verständlich und vollständig

Testworkflow: so läuft jeder Test ab

  1. Eingang – Das Produkt wird per Einschreiben oder Paket angenommen und fotografiert.
  2. Sichtprüfung – Verpackung, Zubehör, Vollständigkeit und offensichtliche Mängel werden dokumentiert.
  3. Funktionstest – Alle beworbenen Features werden einzeln geprüft.
  4. Praxistest – 7 Tage Normalnutzung in realer Umgebung.
  5. Messungen – Gewicht, Maße, Akku, Stromverbrauch, relevante Kennwerte.
  6. Dokumentation – mindestens 8 Fotos, auf Wunsch ein Kurzvideo.
  7. Bewertung – Einzelnoten werden eingetragen, das System berechnet die Gesamtnote.
  8. Fazit – Stärken, Schwächen und Empfehlung in drei Sätzen.
  9. Redaktionsprüfung – 4-Augen-Prinzip (nach Aufbau des Teams; initial Solo mit zeitlichem Abstand).
  10. Veröffentlichung – als Testbericht mit automatisch generiertem Siegel und Lizenznummer.

Automatische Ablehnungsgründe

Produkte, die in eines dieser Kriterien fallen, erhalten automatisch die Note MANGELHAFT (5,0). Die Veröffentlichung erfolgt mit klarem Warnhinweis:

  • Fehlendes CE-Zeichen bei Produkten, für die es rechtlich vorgeschrieben ist
  • Akute Sicherheitsrisiken (offenliegende Drähte, brennende Teile, scharfe Grate in Kinderprodukten)
  • Irreführende Herstellerangaben (z. B. „100 % Leder“ bei PVC-Kunstleder)
  • Defekt bei Auslieferung (zweite Einheit wird angefordert; beim zweiten Defekt gilt: mangelhaft)
  • Rechtswidrige Produkte (unzulässige Laserpointer, Gegenstände nach dem Waffengesetz usw.) – der Test wird verweigert und der Händler informiert

Herkunft der Testobjekte – unsere Transparenzpflicht

In jedem Testbericht steht deutlich sichtbar, woher das getestete Produkt stammt:

  • Selbst gekauft – die Redaktion hat anonym im Handel gekauft. Das unabhängigste Ergebnis.
  • Hersteller-Leihgabe – das Produkt bleibt Eigentum des Herstellers und wird nach dem Test zurückgeschickt.
  • Hersteller-Testmuster – bleibt nach dem Test in der Redaktion, ohne Pflicht zur positiven Bewertung.
  • Redaktions-Bestand – war bereits aus einem früheren Test vorhandenes Eigentum.

Diese Kennzeichnung verlangt die BGH-Rechtsprechung (I ZR 158/14) und das UWG.

Offenlegung der Finanzierung

Das Testsiegel finanziert sich über Testgebühren, die Hersteller und Händler für die Testdurchführung und die Nutzungslizenz des Siegels bezahlen. Der Preis bezieht sich auf den Test – nicht auf das Ergebnis. Ein Testbericht mit „Mangelhaft“ wird genauso veröffentlicht und abgerechnet wie einer mit „Sehr gut“. Anders wäre das Geschäftsmodell rechtlich nicht haltbar (§5 UWG).

Wir nehmen keine bezahlten Top-Platzierungen, keine Provisions-Links und kein Affiliate-Marketing auf Testberichten an. Die einzige Einnahmequelle ist die Testgebühr pro Lizenz (Preise siehe Händler-Anmeldung).

Disclaimer

Die Redaktion von Das Testsiegel testet Produkte nach dem oben beschriebenen Kriterienkatalog. Alle Tests finden unter Alltagsbedingungen statt. Es handelt sich nicht um akkreditierte Laborprüfungen nach DIN ISO/IEC 17025. Für sicherheitskritische Aussagen bei Medizinprodukten, Lebensmitteln und Arzneimitteln sind wir nicht zuständig. Bei solchen Produkten verweisen wir auf die zuständigen Behörden (z. B. BfR, BfArM).

Unsere Bewertungen sind subjektive Meinungsäußerungen auf Basis der oben beschriebenen standardisierten Methodik. Einzelergebnisse können von Serienschwankungen abhängen. Wir testen immer nur die uns vorliegende Einheit und nicht die Gesamtproduktion.

Stand: 10.04.2026 · Nächste turnusmäßige Überprüfung: 10.10.2026